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Sucht & mentale Gesundheit - Selbsthilfe Psychiatrie Rheinland-Pfalz e.V.

Galerie von SHPE RLP mit Motiven und Themen aus der Selbsthilfe: Recovery, Gelassenheit,  sowie Landschaften mit Achtsamkeitsmotiven.
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Sucht & mentale Gesundheit

RECHT & POLITIK > BRENNPUNKTE
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Ist Alkoholismus und Sucht ein Thema für die Psychiatrie?
Alkoholismus und andere Suchterkrankungen sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet – und sie gehören unweigerlich in den Bereich psychiatrischer Versorgung. Dennoch erleben viele Betroffene und Angehörige immer wieder, dass Suchtprobleme entweder nicht ernst genommen oder auf andere Stellen "abgeschoben" werden. Es ist an der Zeit, genauer hinzusehen.
Sucht ist mehr als ein „Laster“
Noch immer halten sich in der Gesellschaft Vorstellungen von Alkoholismus als moralischem Versagen oder Charakterschwäche. Dabei sind Suchterkrankungen seit Jahrzehnten als ernstzunehmende psychische Erkrankungen anerkannt. Sie gehen häufig mit anderen psychiatrischen Diagnosen einher, wie Depressionen, Angststörungen oder Traumafolgestörungen. In der Fachsprache spricht man von Komorbiditäten. Wer eine Sucht entwickelt, leidet oft schon lange unter innerem Druck, seelischem Schmerz oder ungelösten Lebenskonflikten.
Psychiatrie und Sucht – zwei Welten?
In vielen Regionen gibt es spezialisierte Suchthilfeeinrichtungen – und das ist gut so. Doch nicht selten stoßen Betroffene dort an Grenzen: wenn z.B. psychische Krisen zu heftig werden oder andere Diagnosen hinzukommen, die intensive psychiatrische Begleitung erfordern. Umgekehrt kann es in psychiatrischen Kliniken vorkommen, dass suchtkranke Menschen wenig Verständnis erfahren oder auf Entgiftung reduziert werden. Hier zeigt sich ein strukturelles Problem: Die Trennung zwischen Suchtmedizin und Psychiatrie erschwert ganzheitliche Hilfen.
Ein Mensch mit Geschichte – kein Fall mit Diagnose
Die Praxis zeigt: Menschen mit Suchterkrankungen brauchen keine Stigmatisierung, sondern Begleitung – mit offenen Augen für die ganze Lebenssituation. Das bedeutet auch, dass psychiatrische Fachkräfte suchtbezogene Themen nicht ausklammern dürfen. Ebenso wichtig ist es, dass Suchtfachkräfte psychische Krisen nicht als „Nebenbaustelle“ behandeln. Entscheidend ist ein gemeinsamer Blick auf den Menschen: Was hat ihn geprägt? Was versucht er zu bewältigen? Was gibt ihm Hoffnung?
Was jetzt gebraucht wird:
  • Mehr Zusammenarbeit: Psychiatrie, Suchtmedizin und psychosoziale Hilfen müssen enger kooperieren.
  • Weniger Schubladen: Menschen passen nicht in starre Kategorien – Hilfesysteme sollten das auch nicht tun.
  • Mehr gelebte Erfahrung: Der Einsatz von Genesungsbegleiter:innen und Suchtkrankenhelfer:innen kann Brücken schlagen und Vertrauen fördern.
Unser Fazit
Ja – Alkoholismus und Sucht sind Themen der Psychiatrie. Sie gehören in den Fokus, nicht an den Rand. Es braucht ein Verständnis, das nicht auf Abstinenzdruck allein setzt, sondern auf Beziehung, Entwicklung und Teilhabe. Nur dann kann echte Heilung Raum bekommen.
📘 Wichtige Leitlinien & Stellungnahmen
🧠 Forschung: Alkohol & psychische Begleiterkrankungen
Selbstmedikation bei Depression:
Eine Masterarbeit der Universität Klagenfurt von Karina Peuser erklärt, wie Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Alkohol, Cannabinoide und Sedativa zur Selbstmedikation verwenden – was langfristig psychische Leiden verschärfen kann. Diese Arbeit stellt einen wichtigen Beitrag für die Prävention und Behandlung von Depressionen mit komorbiden Substanzkonsumstörungen dar.
Psychische und soziale Folgen chronischen Alkoholismus:
Die im Deutschen Ärzteblatt publizierte Serie "Alkoholismus: Psychische und soziale Folgen chronischen Alkoholismus" (2001) beleuchtet eindrücklich, wie anhaltender Alkoholkonsum nicht nur physische Schäden verursacht, sondern tiefgreifende psychische und gesellschaftliche Auswirkungen hat. Schon geringe Mengen über einen längeren Zeitraum führen zu messbaren Beeinträchtigungen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen und motorischen Defiziten. Besonders alarmierend ist die hohe Komorbiditätsrate mit affektiven Erkrankungen, Angsterkrankungen und psychotischen Störungen.
Die Studie unterstreicht unmissverständlich, dass chronischer Alkoholmissbrauch längst kein isoliertes Gesundheitsproblem ist – er ruft ein Bündel an psychischen Erkrankungen und sozialen Problemen hervor und erfordert eine ganzheitliche therapeutische und gesellschaftliche Antwort.
Alkohol & psychische Therapien:
In einer natürlichen Beobachtungs‑Studie aus Sörmland, Schweden (2012–2016; n = 324 psychiatrische Ambulanzpatienten) zeigte sich:
  • 30,2 % wiesen zu Beginn ihrer psychotherapeutischen Behandlung hazardous alcohol use (riskanten Alkoholkonsum) auf.
  • Während der allgemeinen psychotherapeutischen Behandlung – die nicht speziell auf Alkohol ausgerichtet war – nahm der riskante Alkoholkonsum signifikant ab, gemessen mittels AUDIT-Scores.
Depression & Sucht:
In einer Stichprobe von 150 Patienten mit Alkoholgebrauchsstörung (78 aktive Trinkende, 72 abstinent) fanden die Forschenden heraus, dass aktive Trinkende signifikant höhere Werte bei Depression, Impulsivität, Alexithymie und Hoffnungslosigkeit zeigten im Vergleich zu den abstinenten Patienten:
  • Depression → deutlich ausgeprägter bei aktiven Trinkern
  • Impulsivität → mehr unüberlegte Handlungen
  • Alexithymie → größere Schwierigkeiten, Gefühle zu erkennen und zu beschreiben
  • Hoffnungslosigkeit → höheres Ausmaß an pessimistischer Zukunftseinstellung
Die Studie Zizzi et al. (2024, Frontiers in Psychiatry, englisch) zeigt, dass Abstinenz nicht nur den Suchtverlauf beeinflusst, sondern auch psychische Symptome lindert.
🌎 Weitere Erkenntnisse & Überblicksartikel
Der bekannte Ansatz erklärt, warum Menschen mit Angst oder Depression zu Alkohol greifen – und wie das den psychischen Zustand langfristig verschlechtert.
Schwere psychische Folgen reichen bis hin zur Suizidalität – die Suizidrate bei schwer Alkoholabhängigen liegt im Schnitt 5–20 mal höher als bei Allgemeinbevölkerung.
S3-Leitlinie „Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen“
(DGPPN / AWMF, 2021/2023)
Diese evidenzbasierten Empfehlungen beschreiben systematisches Screening, Diagnosedifferenzierung & integrierte Therapie (inklusive Entzug, Psychotherapie, medikamentöse und sozio-psychiatrische Begleitung).
Zwischen Konsum und Kontrolle – Wege aus der Alkoholkrankheit
...von links nach rechts zu lesen...
Erfahre in einer anschaulichen Grafik, wie sich ein möglicher Suchtverlauf entwickeln kann – von ersten Anzeichen bis zur Abhängigkeit. Orientierungshilfe basierend auf einem Suchtseminar.
Volksdroge Alkohol - der legale Rausch
Film von Sanaz Saleh-Ebrahimi
Alkohol ist überall in unserem Alltag zu finden.
Jeder Erwachsene in Deutschland trinkt im Durchschnitt 130 Liter Alkohol im Jahr – das ist so viel wie eine ganze Badewanne voll. Das ist eine große Menge, und Experten warnen, dass es zu viel ist. Aber warum trinken wir so viel? Ist es vielleicht, weil Alkohol so leicht zu bekommen ist?
In Deutschland gibt es zwei Millionen Menschen, die alkoholabhängig sind,
und zehn Millionen, die so viel trinken, dass es ihrer Gesundheit schadet. Das kostet die Gesellschaft jedes Jahr 60 Milliarden Euro. Trotz dieser hohen Kosten und der bekannten Risiken hat sich in der Politik rund um Alkohol in den letzten Jahren wenig verändert.
Alkohol ist eine Droge,
die mitten in unserer Gesellschaft steht. Schon lange ist bekannt, dass nicht nur große Mengen Alkohol schlecht für die Gesundheit sind. Auch kleine Mengen können Krebs verursachen oder andere Krankheiten verschlimmern.
Genesungsbegleiter,
die selbst Erfahrungen mit Alkoholproblemen gemacht haben, können Menschen in einer solchen Krise unterstützen. Sie verstehen aus eigener Erfahrung, wie schwer der Weg aus der Abhängigkeit sein kann, und bieten wertvolle Hilfe an. Sie zeigen, dass es möglich ist, weniger zu trinken oder ganz aufzuhören, und sie unterstützen andere dabei, diesen Weg zu gehen.
Diese Experten können helfen,
den Kreislauf zu durchbrechen und einen neuen, gesünderen Weg einzuschlagen. Sie teilen ihre Geschichten und Erfahrungen und zeigen, dass es einen Ausweg gibt. Ihre Arbeit ist ein wichtiger Schritt, um das Problem der „Volksdroge Alkohol“ in der Gesellschaft zu bewältigen.
Begleitetes Trinken ab 14 Jahren – Verbieten oder Erlauben?
Film von Franziska Grote-Appel
In der aktuellen Folge von Zur Sache Rheinland-Pfalz wird eine wichtige und oft kontrovers diskutierte Frage behandelt: Soll begleitetes Trinken verboten oder erlaubt werden? Die Diskussion wirft viele Fragen auf, die gerade für Menschen mit Suchterfahrung und ihre Angehörigen von großer Bedeutung sind.
Als Genesungsbegleiter und Moderator von Selbsthilfegruppen setze ich mich intensiv mit diesem Thema auseinander. Es geht nicht nur um die Frage der Kontrolle, sondern auch darum, wie wir Menschen in schwierigen Phasen ihres Lebens am besten unterstützen können. Was denkt ihr? Soll begleitetes Trinken eine Möglichkeit sein, um den Weg in die Sucht zu verhindern oder ist es ein gefährlicher Kompromiss?
Schaut euch den Beitrag an und teilt mir Eure Meinung mit:
Link zur Sendung (ab Minute 1:25 erzähle ich meine Erfahrungen mit Alkohol und seine Folgen)
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