Perspektive aus Betroffenensicht:
Der Weg zu einer personenzentrierten und menschenrechtsbasierten psychiatrischen Versorgung
Der Gedanke, Menschen mit seelischen Erkrankungen und Herausforderungen in den Mittelpunkt zu stellen und dabei den WHO-Kriterien für personenzentrierte, menschenrechtsbasierte und recoveryorientierte Maßnahmen zu folgen, klingt vielversprechend.
Müssen wir diesen Ansatz nun aufgeben, weil wir uns die nötige Hilfe wegen Haushaltslöchern und zunehmender Krisen nicht leisten können?
Personenzentrierung in der psychiatrischen Versorgung
Als Betroffene/r seelischer Erkrankungen sind unsere Wünsche und Hoffnungen für eine bessere psychiatrische Versorgung klar definiert. Wir sehnen uns danach, dass der Gedanke der Personenzentrierung nicht nur eine Idee bleibt, sondern Realität wird. Es geht nicht nur um die Behandlung unserer Symptome, sondern um unser Wohl als ganzer Mensch. Wir möchten in Würde und mit Respekt behandelt werden, wobei unser individueller, recovery-orientierter Genesungsweg im Mittelpunkt steht.
Wünsche und Hoffnungen:
In erster Linie wünschen wir uns eine Versorgung, die unsere Menschenrechte wahrt. Wir möchten nicht nur als Patienten gesehen werden, sondern als Individuen mit einer einzigartigen Lebensgeschichte und persönlichen Bedürfnissen. Dazu gehört auch, dass wir in Entscheidungen über unsere Behandlung miteinbezogen werden und nicht nur passive Empfänger von Therapien sind.
Ein weiterer großer Wunsch ist die Verbesserung der sozialen Integration und Teilhabe. Oft fühlen wir uns isoliert und stigmatisiert. Wir brauchen Unterstützung, um wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, sei es durch angepasste Arbeitsmöglichkeiten, Freizeitangebote oder die Förderung von Selbsthilfegruppen in denen wir uns auf Augenhöhe unter Gleichgesinnten austauschen können.
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Psychiatrie im Wandel:
Würde, Teilhabe und gerechte Finanzierung
Prinzipien der Versorgung:
Wie können wir sicherstellen, dass jeder Mensch mit Würde, Gerechtigkeit und Teilhabe in der psychiatrischen Versorgung behandelt wird? Was können wir tun, um Kliniken besser in den Alltag der Menschen zu integrieren und gleichzeitig dezentral zu organisieren? Wie können wir die Idee der Personenzentrierung umsetzen, ohne dass es hauptsächlich um Geld geht und die Betroffenen vernachlässigt werden?
Personalbedarf und Management:
Welche Probleme gibt es bei der Bestimmung des Personalbedarfs in der Psychiatrie? Wie können wir Werkzeuge entwickeln, die den Bedarf der Patienten besser erfassen? Was müssen wir tun, um sicherzustellen, dass genug Personal zur Verfügung steht und die Arbeitsbedingungen gut sind? Können Selbsthilfegruppen als entlastendes Instrument fungieren? Wie können wir sicherstellen, dass die Personalbemessung nicht nur diskutiert, sondern auch effektiv umgesetzt wird?
Finanzierungsmodelle:
Welche neuen Finanzierungsmodelle könnten in der Zukunft für die Psychiatrie funktionieren? Wie können wir einheitliche und übergreifende Finanzierungsmodelle entwickeln, die den personenzentrierten Ansatz unterstützen und gleichzeitig bezahlbar bleibt? Wie finden wir einen Ausgleich zwischen finanziellen, sozialen und ethischen Aspekten, damit die Rechte und Bedürfnisse der Betroffenen und der Gesellschaft respektiert werden?
Lösungsansätze:
Um diese Wünsche und Hoffnungen zu verwirklichen, sind konkrete Maßnahmen erforderlich:
Stärkung der Patientenbeteiligung: Ärzte und Pflegepersonal sollten Schulungen erhalten, um uns aktiv in den Behandlungsprozess einzubeziehen. Dies könnte durch regelmäßige Patientengespräche oder die Implementierung von Genesungsbegleiter:Innen geschehen.
Förderung von Gemeindepsychiatrie und Selbsthilfegruppen: Lokale gemeindepsychiatrische Verbünde und Selbsthilfegruppen spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit seelischen Erkrankungen. Sie bieten nicht nur praktische Unterstützung, sondern auch emotionale Entlastung und soziale Integration.
Verbesserung der finanziellen Ressourcen: Es ist entscheidend, ausreichende finanzielle Mittel bereitzustellen, um eine hochwertige psychiatrische Versorgung zu gewährleisten. Dies könnte durch eine Neuausrichtung der Gesundheitsbudgets und die Priorisierung patientenorientierter Ansätze, einschließlich der Einbeziehung von selbst Betroffenen in die Gestaltung der psychosozialen Dienste, erreicht werden.
Reduzierung von Stigmatisierung und Diskriminierung: Öffentlichkeitskampagnen und Aufklärungsarbeit sind notwendig, um das Bewusstsein für seelische Gesundheit zu fördern und Vorurteile abzubauen. Wir müssen als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert werden, ohne aufgrund unserer Erkrankung benachteiligt zu werden.
Gemeinsam liegt es an uns allen, ob Betroffene, Fachleute, politische Entscheidungsträger oder die Gesellschaft, eine psychiatrische Versorgung zu gestalten, die wirklich personenzentriert ist. Wenn wir diese Herausforderung gemeinsam angehen, können wir echte Veränderungen bewirken und eine Zukunft schaffen, in der seelische Gesundheit und Würde gleichermaßen geachtet werden. Durch diese Investition können zunächst höhere Kosten langfristig refinanziert werden.